Krimilesung & True Crime in der Voerder „Lesezeit“

Krimiautor in der Voerder „Lesezeit“: Das macht ein perfektes Verbrechen aus

Voerde. In der Buchhandlung „Lesezeit“ präsentierte Krimiautor Andreas Schnurbusch eine neue Kurzgeschichte und berichtete über die Arbeit der Polizei.

Von Klaus Trommer

17.11.2025, 11:50 Uhr

Autor Andreas Schnurbusch präsentierte in der Voerder Buchhandlung „Lesezeit“ eine mörderische Kurzgeschichte und gab Einblicke in die Arbeit der Polizei.

In der Buchhandlung „Lesezeit“ wurde es wieder schön kriminell. Sabine Friemond hatte zum dritten Mal in diesem Jahr zu einem „Blutige Lippe-Krimi-Event“ in das gemütliche Café ihrer Buchhandlung eingeladen. Alle Plätze waren besetzt, als Helmut

Marks, der Mann hinter dem Krimifestival „Blutige Lippe“, die Veranstaltung humorvoll einleitete und als Gastautor den ehemaligen Kriminalbeamten Andreas Schnurbusch vorstellte. 

Der KHK a.D. hatte die Geschichte „Erben für Anfänger – Mord inklusive“ beigesteuert. Schnurbusch las dem amüsierten Publikum seine schwarzhumorige Kurzgeschichte vor. Von einem Leichenschmaus, bei dem offenkundig wird, dass die Verwandten sich nicht so wohlgesonnen sind bis zu mehreren aberwitzigen Mordversuchen, um sich das Restvermögen zu sichern: eine sehr kurzweilige Lesung.

Plötzlich tauchte ein falscher Fünfziger auf

Aber Schnurbusch war nicht nur zur Lesung nach Voerde gekommen, im zweiten Teil der Veranstaltung ging es um „True Crime – den (un)perfekten Mord“. Er berichtete über die tatsächliche Arbeit bei der Kriminalpolizei, zeigte an Fällen aus seiner Polizeiarbeit, wie Mörder überführt wurden. Er stellte die Punkte auf, die ein perfektes Verbrechen auszeichnen: unentdeckt, ungelöst, auch nach Jahren nicht nachweisbar.  

In Interaktion mit dem Publikum entwickelte er den Unterschied zwischen Verbrechen und Vergehen. Das praktische Beispiel hierzu begeisterte die Zuhörer. Schnurbusch ließ einen Fünfzigeuroschein fallen, ging weiter und fragte, was man jetzt machen könnte? Nachrufen nicht möglich, da der Eigentümer schon außer Reichweite. „Dann stecke ich ihn eben ein“, sagte ein Zuhörer und nahm den Schein an sich. Dass das dann eine Fundunterschlagung und somit ein Vergehen sei, wurde schnell klar.

Wie Hans Gross die Kriminalistik beeinflusst hat

Aber als Schnurbusch sich an den „Finder“ wandte und sagte, er habe gerade ein Verbrechen begangen, wurde es unruhig im Publikum. „Ja, sagt er, wenn jetzt Polizisten auf Sie zukommen und den Geldschein entdecken, werden diese feststellen, dass dieser gefälscht ist – und wer Falschgeld herstellt oder in Umlauf bringt, wird mit Freiheitsstrafe deutlich über ein Jahr bestraft.“ Schnell brachte Schnurbusch neun weitere „Blüten“ in Umlauf. Wissentlich hielten alle im Publikum zum ersten Mal gefälschte Banknoten in der Hand. „Ich würde das nicht merken, wenn ich den beim Wechselgeld bekäme“, stellten viele Zuschauer fest. „Das sind sehr schlechte Fälschungen“, belegte Schnurbusch mit etlichen „Echtheitsmerkmalen“, die die Noten – die er natürlich sofort wieder einsammelte – nicht erfüllen.

Vorträge zur realen Polizeiarbeit

Wie Andreas Schnurbusch in Voerde verriet, ist ein neues Buch bereits fertiggestellt. Bevor es an den Verlag geht – das ist für Schnurbusch wichtig – muss seine Frau Anna noch das Erstlektorat vornehmen. „Da hat sie mich immer toll unterstützt“, lobt Schnurbusch.

Schnurbusch ist Mitglied der Autorengemeinschaft „Das Syndikat“, hält Lesungen und viele Vorträge zur realen Polizeiarbeit. Freude bereitet ihm, mit einem Kollegen von der Schutzpolizei im Duo „Bullentalk“ wahre Fälle launig aufzubereiten.

„Blutige Lippe“ ist das regionale Krimifestival von Bad Lippspringe bis Wesel. Alle zwei Jahre gewinnt Festivalleiter Helmut Marks, Kriminalautorinnen und autoren für ein von ihm herausgegebenes Buch Kurzgeschichten beizusteuern. So liegt jetzt schon der fünfte Band der „Blutige Lippe“-Reihe vor. Nach Veröffentlichung beginnt das eigentliche Festival. Von Detmold, Bad-Lippspringe bis Wesel lesen die Autorinnen und Autoren in ausgewählten Lokationen aus dem aktuellen Band.

Danach ging es Schlag auf Schlag weiter. Schnurbusch zeigte die theoretischen Grundlagen der Kriminalistik auf – angefangen bei

Hans Gross als Begründer der Kriminalistik und Erfinder des

Tatortkoffers. Schnurbusch zeigte eine Abbildung des

Museumsstückes und Bilder heutiger Tatortkoffer sowie von den Koffern, die bei Leichenfunden herangezogen werden.

Mit welchen Spuren Täter überführt werden

Schnurbusch zeigte auf, welche Spuren unterschieden und nachverfolgt werden: Formspuren, Materialspuren, Situationsspuren, Blutspuren, digitale Spuren und insbesondere DNA-Spuren. Und zu vielen Unterarten dieser Spuren berichtete er, wie in tatsächlichen Fällen diese zur Lösung beitrugen: bei einem Verdächtigen, dessen Pullover eindeutig zu einem Acryl-Faden passte, der auf einer Mauer gesichert werden konnte; Sprachaufzeichnungen von Alexa, die den Tatvorsatz bei einem Mann namens Alexander belegten.

Buchhändlerin Sabine Friemond, Autor Andreas Schnurbusch und Herausgeber Hartmut Marks (re.) standen hinter dem kriminellen Abend in der Buchhandlung „Lesezeit“. © FUNKE Foto Services | Markus Joosten

Andreas Schnurbusch (65) lebt in Köln. Seit 1979 bis zur Pensionierung war er zunächst bei der Schutzpolizei und wechselte dann zur Kriminalpolizei. Sein beruflicher Fokus lag u.a. in den Deliktbereichen Mord, Rauschgift- und Menschenhandel und

Schleusungen. Diese beruflichen Erfahrungen hat der bisher in vier Romane (Schleusermord, Schachtleiche, Mord in der Nordkurve und Stille Vergeltung) verwertet. Bei seinen Büchern verknüpft er reale

Polizeiarbeit mit Fantasie. Geschildert werden tatsächliche Methoden der Polizeiarbeit. „Ist natürlich so, dass an die 90 Prozent der Polizeiarbeit ein Bürojob sind, die restlichen zehn Prozent werden dann in meinen Büchern lebendig“, so Schnurbusch. Auch den Protagonisten seiner Bücher (die Kriminalbeamten Hubert Makele, genannt Fisch, und André Moritz, genannt Kid) gestattet er in seinen Büchern keine fiktiven Freiheiten. Wie im Flug verging in der Voerder Buchhandlung die Zeit, das Publikum war dann doch enttäuscht, dass der Veranstalter keine weitere „Überziehung“ des Vortrages zuließ – er hatte zehn Minuten zugestanden.

Die Kommentare sind geschlossen.